Dritte Übung – Gehmeditation

Es gab Phasen in meiner Schwangerschaft, da war ich von arger Unruhe geplagt. Liegen ging nicht richtig, schlafen schon gar nicht. Sitzen auch nur so lala, ich wollte mich bewegen, hatte aber auch nicht wirklich Lust draussen lange herum zu laufen. Es war einfach nur Unruhe. Kein Nestbau-Trieb oder ähnliches, der Frauen im zweiten Trimester oft überfällt. Für mich war es die Zeit körperlich aktiv zu werden, meinen schon recht veränderten Körper neu zu erforschen und kennen zu lernen. In mich hinein zu spüren.

Im Grunde ist auch die Gehmeditation eine Aufmerksamkeitsübung. Wir lassen unseren Atem fliessen und richten unsere Aufmerksamkeit auf unsere Bewegung. Wir stehen zunächst ruhig und locker, lassen den Atem frei fliessen, ohne ihn zu steuern. Dann beginnen wir mit dem ersten Schritt. Wir spüren genau hin, wie die Muskeln im Bein sich anspannen, um es zu beugen und zu heben. Wir spüren, wie das Bein sich nach vorn absenkt, der Fuß sich streckt. Spüren, wie zunächst die Zehen und dann langsam der Ballen, die Sohle und die Ferse den Boden berühren. Wir fühlen nach, wie sich das Körpergewicht nach vorn verlagert, sich das hintere Bein streckt und der Fuß sich langsam vom Boden abrollt. Das Bein hebt sich, bewegt sich nach vorn. Wir spüren die Bewegung in unserer Hüfte, wenn wir erneut das Gewicht verlagern, um den Schritt zu vollenden. Dabei lassen wir einfach unseren Atem fliessen. Es macht Sinn die ersten Schritte wirklich ganz langsam zu machen, genau hin zu spüren zu An- und Entspannung der Muskeln, zu den Empfindungen, die wir während der Bewegung haben. Wirklich erstmal ganz genau den Ablauf im Bewegungsapparat nachspüren. Es fällt dann einfach leichter, bei der Meditation tatsächlich dann auch mit der Konzentration in der Bewegung zu bleiben und weder Atem noch Bewegung zu kontrollieren.

Es gibt unzählige Situationen in denen eine Gehmeditation angenehm und hilfreich sein kann. Zum einen können wir bei Beschwerden durch unser besseres Körpergefühl eher erspüren, ob es ein harmloses Zipperlein ist oder etwas ernsteres. Zum anderen gibt es immer wieder Phasen, in denen wir damit beschäftigt sind, in Bewegung zu bleiben, damit unser Baby schlafen kann. Ich bin in den ersten Monaten etliche Kilometer in der Wohnung auf und ab gelaufen, weil meine Tochter nur im Ringsling schlafen konnte. Wenn des Wetter es zu ließ bin ich draussen ewig herum gelaufen, durfte nicht auch nur kurz stehen bleiben. Wenn wir in der Lage sind in solchen Phasen die Konzentration weg von Gedanken an Zeit und was wir alles nicht schaffen und wie anstrengend die Lauferei ist, bewegen, hin zum Atem, hin zum Erspüren, was die Bewegung in unserem Körper auslöst, können wir uns aus der Stressfalle etwas lösen und auch für uns selbst etwas Ruhe in der Bewegung finden.

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